Die rechtlichen Herausforderungen für Finfluencer
- Rechtsanwalt Kadir Öztürk
- 12. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Feb.
Finanzprodukte sind keine Lifestyle-Artikel
Der wohl wichtigste Grundsatz des neuen Papiers lautet: Die Werbung für ein Finanzprodukt oder eine Finanzdienstleistung ist nicht mit der Werbung für Schuhe oder Uhren vergleichbar. Während ein schlechter Schuh lediglich drückt, können fehlerhafte Finanztipps die wirtschaftliche Existenz der Follower vernichten. Die Behörden stellen klar, dass Sie für Ihre geposteten Inhalte voll verantwortlich sind, auch wenn Sie selbst kein Banker, Anlageberater oder Finanzfachmann sind.
Fehlerhafte Finanztipps können die wirtschaftliche Existenz der Follower vernichten.
Irreführende oder leichtfertige Posts können dazu führen, dass Sie rechtlich für negative Auswirkungen auf Verbraucher verantwortlich gemacht werden. Das bedeutet im Klartext: Die zivilrechtliche Haftung rückt in den Mittelpunkt.
Transparenzpflichten werden drastisch verschärft
Die Zeiten von versteckter Werbung sind vorbei. Wenn Sie Geld, Geschenke oder Vergünstigungen erhalten, um für etwas zu werben, dürfen Sie dies nicht verschweigen. Ein versteckter Hashtag in einer Wolke von Begriffen reicht nicht mehr aus. Sie müssen deutlich und verständlich darauf hinweisen, etwa durch Begriffe wie „Anzeige“, „Bezahlte Partnerschaft“ oder „Gesponsert“.
Doch die Transparenz geht noch weiter: Wenn Sie selbst bereits in das Produkt investieren, das Gegenstand der Werbung ist, oder wenn Sie davon profitieren könnten, dass andere es kaufen, müssen Sie diesen Interessenkonflikt ebenfalls offenlegen. Dies dient dem Schutz vor Marktmanipulation. Der Verdacht auf eine Marktmanipulation kann strafrechtliche Folgen mit sich bringen.
Die Falle der unerlaubten Anlageberatung
Hier lauert das größte Risiko für Finfluencer. Anderen Personen konkret zu sagen, in was sie investieren sollen – oder was sie vermeiden sollen – kann rechtlich eine Anlageberatung darstellen. Wer dies tut, benötigt zwingend eine von der nationalen Behörde erteilte Zulassung. Wenn Sie nicht über diese Zulassung verfügen, dürfen Sie keinesfalls personalisierte Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten geben.
Disclaimer "Do Your Own Research" bietet keine Sicherheit.
Viele Creator wiegen sich durch Disclaimer wie „Dies ist keine Anlageberatung“ (DYOR) in falscher Sicherheit. Die Aufsichtsbehörden stellen jedoch klar: Die Verwendung solcher Haftungsausschlüsse schützt Sie in diesen Fällen nicht, wenn der Inhalt faktisch eine Beratung darstellt. Sogar das öffentliche Äußern einer Meinung zu Kursentwicklungen kann unter Umständen bereits reguliert sein.
Vorsicht bei Hochrisiko-Produkten und Betrugsprävention
Besonders kritisch sehen BaFin und ESMA die Bewerbung von Produkten wie Differenzkontrakten (CFDs), Forex oder volatilen Kryptowährungen, da hier der Totalverlust droht. Sie müssen sicherstellen, dass Ihre Aussagen wahr, fair und nicht irreführend sind und dürfen keinen Druck durch Aussagen wie „schnell reich werden“ erzeugen.
Zudem trifft Sie eine Prüfungspflicht: Die Werbung für unseriöse Plattformen kann Sie in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Überprüfen Sie also immer, ob das Unternehmen über eine Zulassung verfügt, bevor Sie darüber posten – andernfalls könnten Sie sich an einem Betrug mitschuldig machen.
Die Rolle der Aufsichtsbehörden
Die Aufsichtsbehörden, insbesondere die BaFin und die ESMA, haben klare Richtlinien und Erwartungen formuliert. Diese sollen nicht nur den Verbraucherschutz gewährleisten, sondern auch die Integrität des Finanzmarktes sichern. Die Einhaltung dieser Richtlinien ist für Finfluencer von entscheidender Bedeutung. Es ist wichtig, sich über die aktuellen Entwicklungen und Anforderungen kontinuierlich zu informieren.
Professionalisierung ist unerlässlich
Die Herausforderungen, vor denen Finfluencer stehen, sind vielfältig und komplex. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind strenger geworden, und die Verantwortung für die Inhalte, die sie teilen, ist enorm. Wer in diesem Bereich tätig ist, sollte sich der Risiken bewusst sein und entsprechende Maßnahmen ergreifen, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden.
Benötigen Sie Unterstützung bei der rechtssicheren Kommunikation? Als anwaltlicher Spezialist für Finanzaufsichtsrecht unterstütze ich Agenturen und Finfluencer bei der rechtssicheren Umsetzung der regulatorischen Anforderungen.
